Scheidungsstatistik Österreich

Aktuelle Trends, regionale Analysen und die Entwicklung der Ehestabilität (Update 2024/2025)

Werden heute mehr Ehen geschieden als früher?

Hält das „verflixte siebte Jahr“ einer statistischen Prüfung stand?

Und welchen Einfluss haben Bildung oder Wohnort auf die Beständigkeit einer Beziehung?

Die aktuelle Datenlage der Statistik Austria liefert detaillierte Antworten.

Inhaltsverzeichnis

1. Die Ehe im Spiegel der Statistik: Der Status Quo

Nach den aktuellsten Zahlen verzeichnet Österreich eine leichte Stabilisierung auf hohem Niveau. Im Jahr 2024 wurden insgesamt 14.963 Ehescheidungen rechtskräftig. Damit stieg die Zahl im Vergleich zum Vorjahr (14.721) leicht an, liegt aber deutlich unter den Werten von vor zehn Jahren (2015: 16.351).

Quelle: Statistik Austria 1961-2024

Die Gesamtscheidungsrate liegt aktuell bei 36,5 %. Das bedeutet: Statistisch gesehen wird etwas mehr als jede dritte Ehe in Österreich geschieden. Bemerkenswert ist die langfristige Entwicklung: Während die Rate in den frühen 2000ern oft über 40 % lag, beobachten wir heute eine bewusstere Entscheidung zur Ehe, was sich in einer leicht sinkenden, aber dennoch signifikanten Quote bei der Anzahl der Scheidungen niederschlägt.

Quelle: Statistik Austria 1991-2024

2. Die zeitliche Dimension: Wann Ehen scheitern

Oft wird das „verflixte siebte Jahr“ als kritischer Wendepunkt zitiert. Die Daten zeigen jedoch ein differenzierteres Bild:

  • Der Median der Ehedauer: Die mittlere Ehedauer bei Scheidungen liegt derzeit bei ca. 10,6 Jahren. Das bedeutet, die Hälfte aller geschiedenen Paare trennt sich erst nach mehr als einem Jahrzehnt.
  • Das Risiko in den ersten Jahren: Dennoch ist die Phase zwischen dem 3. und 7. Ehejahr statistisch besonders vulnerabel. In diesem Zeitraum finden die meisten Trennungen statt, bevor die Kurve bei langjährigen Ehen abflacht.
  • „Silver Divorcers“: Ein wachsender Trend sind Scheidungen nach sehr langer Ehedauer. Im Jahr 2024 entfielen signifikante Anteile auf Ehen, die 25 Jahre oder länger hielten. Dies deutet darauf hin, dass die Hemmschwelle für eine Trennung auch in späteren Lebensphasen sinkt, was oft komplexe Fragen der Vermögensaufteilung aufwirft.

3. Geografie der Trennung: Das regionale Gefälle

Die Landkarte der Scheidungen zeigt in Österreich ein deutliches West-Ost-Gefälle sowie eine Diskrepanz zwischen urbanen Zentren und ländlichen Regionen.

  • Wien als Spitzenreiter: Die Bundeshauptstadt verzeichnet absolut gesehen traditionell die höchsten Zahlen (3547 Scheidungen in 2024). Auf Platz 2 liegt Niederösterreich. Am wenigsten Scheidungen gab es im Burgenland.
  • Regionale Hochburgen: Ein Blick auf die politischen Bezirke (Datenstand 2024) zeigt interessante Ausreißer. Bezirke wie Wiener Neustadt (Stadt) oder Teile des Wiener Umlands weisen oft überdurchschnittliche Quoten auf.

▼ Alle Bundesländer im Detail

Quelle: Statistik Austria 2024

Quelle: Statistik Austria 2024

  • Scheidungen pro 1000 Einwohner: Diese Auswertung zeigt für die Jahre 2019 bis 2024 deutliche regionale Unterschiede. Bundesländer wie Tirol und Salzburg liegen unter dem österreichweiten Durchschnitt, während Wien, Niederösterreich und Vorarlberg eine höhere Anzahl an Scheidungen aufweisen. Die dargestellten Zahlen basieren auf offiziellen Statistiken und dienen der sachlichen Einordnung regionaler Entwicklungen im Bereich Scheidung in Österreich. Individuelle Ursachen oder rechtliche Konsequenzen lassen sich aus diesen Daten nicht ableiten.

Quelle: Statistik Austria 2019-2024

4. Soziodemografische Faktoren: Bildung und Beruf

Die folgenden Auswertungen zu Bildungsgrad und Erwerbsstatus basieren auf österreichweiten Scheidungsdaten der letzten Jahre. Dargestellt werden absolute Fallzahlen und zeitliche Entwicklungen innerhalb einzelner Gruppen. Aussagen über relative Scheidungswahrscheinlichkeiten oder individuelle Risiken sind auf Basis dieser Daten nicht möglich, da entsprechende Bezugsgrößen fehlen. Die Statistiken dienen daher der sachlichen Einordnung struktureller Entwicklungen.

  • Bildungsgrad: Die Scheidungszahlen nach Bildungsabschluss zeigen für Österreich in diesem Zeitraum weitgehend stabile zeitliche Verläufe innerhalb der einzelnen Bildungsgruppen. In absoluten Zahlen entfallen die meisten Scheidungen auf Personen mit Lehrabschluss, gefolgt von Pflichtschul- und Hochschulabschlüssen. Über den betrachteten Zeitraum sind nur moderate Schwankungen erkennbar, ohne ausgeprägte Trends oder strukturelle Verschiebungen. Die Daten erlauben keine Rückschlüsse darauf, ob bestimmte Bildungsgruppen verhältnismäßig häufiger oder seltener von Scheidungen betroffen sind.

Quelle: Statistik Austria 2018-2023

  • Erwerbsstatus: Auch die Auswertung der Scheidungen nach Erwerbsstatus für diese Jahre zeigt überwiegend konstante zeitliche Muster. Der Großteil der Scheidungen entfällt in absoluten Zahlen auf erwerbstätige Personen, was vor dem Hintergrund ihrer zahlenmäßigen Dominanz in der Bevölkerung zu erwarten ist. Scheidungen in Haushalten mit arbeitslosen oder nicht erwerbstätigen Personen bewegen sich auf einem deutlich niedrigeren absoluten Niveau und zeigen über die Jahre hinweg nur geringe Veränderungen. Die Statistik lässt jedoch keine Aussagen darüber zu, ob Erwerbslosigkeit oder instabile Erwerbsbiografien das individuelle Trennungsrisiko erhöhen, da auch hier die erforderlichen Bezugsgrößen zur jeweiligen Grundgesamtheit fehlen. Die Daten ermöglichen somit lediglich einen Vergleich zeitlicher Entwicklungen innerhalb der Kategorien.

Quelle: Statistik Austria 2018-2023

5. Die juristische Realität: Einvernehmlichkeit dominiert

Ein positiver Trend zeigt sich in der Art der Abwicklung. Die Österreicher bevorzugen den sachlichen Weg:

  • Scheidungsart: Rund 87,2 % aller Scheidungen erfolgen einvernehmlich. Dies reduziert nicht nur die psychische Belastung, sondern auch die Kosten und die Dauer des Verfahrens erheblich.

  • Initiative der Frau: In den meisten Fällen (wo kein gemeinsamer Antrag vorliegt) geht der erste formale Schritt zur Scheidung statistisch gesehen öfter von der Frau aus.

  • Verschulden: Die klassische strittige Scheidung wegen Verschuldens (§ 49 EheG) ist rückläufig, bleibt aber in komplexen Fällen ein zentrales Instrument, um Ansprüche zu sichern. Mit überwiegender Mehrheit spricht bei diesen Scheidungen das Gericht den Mann schuldig. Achtung: Es wurden nur Fälle berücksichtigt, in denen ausschließlich ein Partner verschuldet war. Fälle, in denen beide Partner ein Verschulden trugen, sind nicht enthalten.

Quelle: Statistik Austria 2024

Quelle: Statistik Austria 2024

Quelle: Statistik Austria 2024

6. Saisonalität: Der „Post-Urlaub-Effekt“

Interessanterweise lässt sich ein saisonales Muster bei den Scheidungsanträgen feststellen. Die Daten der Ereignismonate zeigen häufig Spitzen in den Monaten März und Oktober. Dies lässt sich oft auf die vorangegangenen Familienfeste oder die Sommerferien zurückführen. Längere Phasen intensiven Zusammenlebens können bereits bestehende Konflikte verstärken. Die geringe Zahl im August lässt sich unter anderem auch damit begründen, da im Sommer Gerichte weniger besetzt sind und Termine oft erst im Herbst vergeben werden.

Quelle: Statistik Austria 1999-2024

7. Betroffene Kinder: Die familiäre Dimension

Scheidungen sind selten reine Paarentscheidungen. Jährlich sind in Österreich tausende minderjährige Kinder betroffen, was Fragen zur Obsorge und dem Kontaktrecht aufwirft.

  • Statistik: In rund der Hälfte aller geschiedenen Ehen leben minderjährige Kinder im Haushalt.

Quelle: Statistik Austria 2024

  • Stabilisierungsfaktor Kind? Die österreichischen Scheidungsdaten zeigen zwar, dass ein erheblicher Teil der Trennungen Ehen mit Kindern betrifft und diese sich über unterschiedliche Ehedauern erstrecken. Die Statistik gibt jedoch keine Auskunft darüber, ob kinderlose Ehen früher oder später geschieden werden, da vergleichende Bezugsdaten fehlen. Aussagen über eine stabilisierende oder belastende Wirkung von Kindern auf die Ehedauer lassen sich aus den vorliegenden Zahlen daher nicht ableiten.

8. Moderne Beziehungsformen: Eingetragene Partnerschaften (EP)

Die rechtliche Gleichstellung spiegelt sich auch in der Statistik wider. Die Auflösungsraten bei einer eingetragenen Partnerschaft zeigen eine ähnliche Dynamik wie bei der klassischen Ehe, wobei die absoluten Zahlen aufgrund der jüngeren gesetzlichen Verankerung noch deutlich niedriger ausfallen (109 Auflösungen gleichgeschlechtlicher Paare im Jahr 2024).

Quelle: Statistik Austria 2015-2024

FAQ: Häufige Fragen zur Scheidungsstatistik

Was bedeutet die Gesamtscheidungsrate in Österreich und wie wird sie berechnet?

Die Gesamtscheidungsrate gibt an, welcher Anteil der heute geschlossenen Ehen statistisch gesehen im Laufe ihres Bestehens geschieden würde, sofern die aktuellen Scheidungsverhältnisse unverändert bleiben. Sie wird als Modellrechnung aus altersspezifischen Scheidungswahrscheinlichkeiten eines Jahres berechnet und ist keine jährliche Quote. Eine Gesamtscheidungsrate von rund 36,5 % bedeutet daher, dass rechnerisch etwas mehr als jede dritte Ehe mit einer Scheidung endet.

Wie haben sich Scheidungen in Österreich in den letzten Jahren entwickelt?

In den letzten Jahren zeigen die österreichischen Scheidungsdaten insgesamt eine leicht rückläufige bis stabile Entwicklung. Nach höheren Werten in den frühen 2000er-Jahren hat sich die Scheidungshäufigkeit auf einem etwas niedrigeren Niveau eingependelt. Kurzfristige Schwankungen können dennoch auftreten und sind statistisch nicht ungewöhnlich.

Warum gibt es regionale Unterschiede bei Scheidungen in Österreich?

Scheidungsraten unterscheiden sich zwischen den Bundesländern, wenn sie pro 1.000 Einwohner oder im Zeitverlauf betrachtet werden. Diese Unterschiede spiegeln regionale Strukturen wider, etwa Bevölkerungsdichte oder Altersverteilung. Die Statistik selbst erlaubt jedoch keine Aussagen über konkrete Ursachen oder individuelles Verhalten.

Welche Aussagekraft haben Scheidungsstatistiken für einzelne Ehepaare?

Scheidungsstatistiken beschreiben Entwicklungen auf Bevölkerungsebene und eignen sich nicht zur Einschätzung individueller Lebenssituationen. Sie zeigen Trends und Größenordnungen, lassen jedoch keine Rückschlüsse auf das persönliche Scheidungsrisiko eines konkreten Ehepaares zu. Für Einzelfälle sind statistische Durchschnittswerte daher nur eingeschränkt relevant.

Welche Rolle spielen Kinder bei Scheidungen aus statistischer Sicht?

Statistiken zeigen, dass ein erheblicher Teil der Scheidungen Ehen mit Kindern betrifft. Die Daten erlauben Aussagen über Alter oder Anzahl der betroffenen Kinder, jedoch keine Schlussfolgerungen darüber, ob Kinder Scheidungen verhindern oder verzögern. Aussagen zur stabilisierenden Wirkung von Kindern lassen sich daraus nicht ableiten.

Lassen sich aus Bildungs- oder Erwerbsdaten Rückschlüsse auf Scheidungsrisiken ziehen?

Aus den vorliegenden Bildungs- und Erwerbsstatistiken lassen sich vor allem zeitliche Verläufe und absolute Fallzahlen ablesen. Sie zeigen, in welchen Gruppen Scheidungen häufiger vorkommen, sagen jedoch nichts darüber aus, ob bestimmte Bildungs- oder Erwerbsgruppen ein höheres oder niedrigeres individuelles Scheidungsrisiko haben. Dafür fehlen vergleichbare Bezugsgrößen.


Fazit und Ausblick 2025

Die Scheidungsstatistik Österreichs für 2024/2025 zeigt eine Gesellschaft, die zunehmend auf Konsens setzt. Während die Gesamtzahlen stabil bleiben, erfordern insbesondere Langzeitehen und Fälle mit Kindern eine fundierte rechtliche Beratung. Die vorläufigen Daten für 2025 deuten auf eine Fortsetzung dieses Trends hin. Eine frühzeitige Auseinandersetzung mit den rechtlichen Folgen ist der beste Weg, um aus einer belastenden Statistik eine faire, individuelle Lösung zu machen.

Worüber möchten Sie mehr erfahren?

Alimente berechnen für Österreich
Unterhaltsrechner
Scheidungsantrag für das Einreichen der Scheidung
Scheidung einreichen
Einvernehmliche Scheidung in Wien
Einvernehmliche Scheidung
Strittige Scheidung in Wien
Strittige Scheidung
Euro-Banknoten und Unterlagen bei einer Beratung zu Unterhalt und Alimente durch einen Rechtsanwalt
Unterhalt & Alimente
Ehepaar teilt das Vermögen im Zuge der Scheidung auf
Vermögensaufteilung
Einvernehmliche Lösung ist oft für das Kind die beste Variante
Kinder & Obsorge
Symbolbild einer Auflösung einer eingetragenen Partnerschaft
Eingetragene Partnerschaft
Family law attorney in Vienna at work
Scheidungsanwalt

Schedule Appointment

Fill out the form below, and we will be in touch shortly.

Contact Information
Vehicle Information
Preferred Date and Time Selection